Polens Natur- und Kulturvielfalt entdecken: Danzig bis Masuren

Beitrag von Christian & Julia – follow us | instagram account

Swieta Lipka Heilige Linde Kathedrale Kirche von innen Orgel Wallfahrt

  • Barocke Architektur in ƚwięta Lipka – Wallfahrtsort Heilige Linde. Unten beschrieben 

Sommer in Polen – auf in die unendlichen Weiten des Landes

Polen kenne ich sehr gut – viele Sommer verbrachte ich hier privat auf dem Land in unterschiedlichen Regionen des Landes, sei es in der Tucheler Heide zwischen Danzig und ToruƄ, der Stadt von Nikolaus Kopernikus, oder in der unberĂŒhrten Natur Masurens im Nordosten Polens. Dabei habe ich bei Bekannten ĂŒbernachtet und neue Bekannte dazugewonnen z. B. bei gemĂŒtlichen Grillabenden. Die endlosen Weiten von einem Ort zum anderen sind mir gut bekannt, wie z. B. die Strecken von Danzig ĂŒber Olsztyn in Masuren bis in den fĂŒr uns weit entfernten Osten nach BiaƂystok und Warschau zurĂŒck. Die Strecken kommen einem gerade aufgrund der StraßenverhĂ€ltnisse so lange vor – kaum anonyme und graue Autobahnen, aber dafĂŒr schöne von BĂ€umen gesĂ€umte Alleen, die teils Schlaglöcher beinhalten oder vorbei an malerischen Dörfern  mit KirchplĂ€tzen fĂŒhren. 

Gastfreundschaft in Polen – ein zweites Zuhause

Schon damals fragte ich mich, warum so viele den weiten Weg nach Schweden ĂŒber den Öresund auf sich nehmen – dafĂŒr natĂŒrlich von der Schönheit des Landes belohnt werden – wenn man doch tausende Seen, Kultur und Geschichte auch in unserem Nachbarland bestaunen kann? Oft musste ich antworten „Nie mĂłwię po polsku.“ – ich spreche kein Polnisch – und trotzdem bin ich einfach zurecht gekommen. Auf den ganzen Rundreisen durch Polen sind wir wirklich gastfreundlich als Deutsche empfangen worden – und nicht nur von der Vielzahl hier noch lebender, alteingesessener Deutschen, die die Vertreibung in Kriegsjahren verschont hat – oder ZurĂŒckgekehrte. Eine kleine Auswahl an dem, was an unserem Nachbarland – einen Katzensprung entfernt und doch so anders  – so alles unterschĂ€tzt wird, gibt es hier nachzulesen.

Masuren See Sonnenuntergang Insel

  • typische Szene bei Sonnenuntergang in den einsamen WĂ€ldern Masurens

Auf dem Weg nach Masuren – Hansestadt Danzig

Ausgangspunkt kann schon Danzig bzw. auf polnisch ‚Gdansk‘ an der Ostsee sein. Die Altstadt ist wunderschön, geschichtstrĂ€chtig und sehr malerisch mit all ihren historischen Bauten. Dazu zĂ€hlen u. a. das Krantor ‚Stary Zuraw‘ am alten Hafen, das seit ĂŒber 600 Jahren in der jetzigen Form besteht. Von diesem Punkt aus kann man eine Hafenrundfahrt unternehmen. Das Boot fĂ€hrt dabei bis an die modernen KrĂ€ne weiter raus auf die Danziger Bucht.

Danzig (Gdansk ) Hafen und Altstadt beim alten Kranentor
Danzig (Gdansk ) Hafen und Altstadt beim alten Krantor

In den engen Gassen mit den bunten Fassaden sprudelt das Leben in Danzig. Historische und gut restaurierte FachwerkhĂ€user haben fĂŒr uns die AtmosphĂ€re einzigartig gemacht. Gerne haben wir hier in einem der schönen StraßencafĂ©s nahe der Prachtstraße „Langer Markt“ aus dem 17. Jahrhundert die Szenen der Altstadt genossen. Denn hier spielt sich das Leben im Sommer hauptsĂ€chlich draußen ab, auf den Terrassen vor den HĂ€userfassaden am DƂugi Targ, dem Langen Markt. Man merkt unmissverstĂ€ndlich, dass es sich um eine alte Hansestadt handelt, in der frĂŒher die wohlhabenden BĂŒrger und Seefahrer einkehrten. Was die besondere AtmosphĂ€re der Stadt Danzig ausmacht, sind hier die zahlreichen BernsteinschmucklĂ€den. Zahlreiche Hand- und Kunstwerke aus Bernstein werden einem hier in den unterschiedlichsten Formen – und auch Schattierungen des Bernsteins prĂ€sentiert, sei es inorange-braun oder grĂŒn. Wer diese erleben will, sollte unbedingt mal in die ‚Ulica Mariacka‘ vorbeischauen.  Hier wird man garntiert das ein oder andere Souvenir mit besonderem Charme finden.

Über Elbląg kommt man dann Richtung Osterode bis nach Olsztyn, einem grĂ¶ĂŸeren Ort am Eingang der Masuren. Hier sollte man unbedingt einen Stadtspaziergang machen.

Olsztyn Masuren Altstadt Kirche Polen

  • die StraßencafĂ©s in Olsztyn laden dazu ein, in aller Ruhe die Seele baumeln zu lassen

Masuren Polen Altstadt Turm

Schloss Olsztyn

Die abgenutzten und alten Kopfsteinpflaster verleihen der 170.000 Einwohner-Stadt nicht unbedingt die AtmosphĂ€re einer durchschnittlichen Großstadt wie bei uns. Man fĂŒhlt sich beim Erkunden der teils einsamen Straßen wie in frĂŒhere Zeiten versetzt. Der Marktplatz mit den gut restaurierten GebĂ€uden ist besonders hĂŒbsch angelegt. Wir finden, man kann hier richtig gut in einem der CafĂ©s entspannen und von der Hektik einer Großstadt mal ordentlich abschalten.

ĂŒber die schöne Stadt Olsztyn

  • Deutscher Name „Allenstein“
  • Verwaltungssitz von Ermland-Masuren
  • Nikolaus Kopernikus lebte hier im Olsztyner Schloss von 1516 bis 1520
  • fast die gesamte Altstadt brannte im FrĂŒhjahr 1945 nieder
  • Wahrzeichen der Stadt ist das Hohe Tor, als Teil der Stadtmauer, im gotischen Stil ursprĂŒnglich aus dem Jahr 1378

Zentraler Ausgangspunkt in Masuren: MikoƂajki und Wolfsschanze

Ein touristisch gut erschlossener Ort, in dem viel los ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Orten Masurens, wurde Nikolaiken – so der deutsche Name – als eine der wenigen StĂ€dte in Ostpreußen nicht zerstört. Man kommt aber aufgrund der Ausgangslage kaum um diese schöne kleine Stadt drum herum. Wer nach Masuren möchte, kann praktisch nur hieran vorbei.

Mikolajki Masuren Polen Schiff Boot 2

Es sei denn, man nimmt den Weg zu den großen Seen an Richtung litauische Grenze ĂŒber Mrągowo und fĂ€hrt dann nach Lötzen. Mrągowo ist ebenfalls touristisch perfekt erschlossen mit seiner Vielzahl an Restaurants, kleinen Hotels, einem naturbelassenen Themenpark und architektonische Highlights wie dem Bismarck Turm.

Nördlich von Mrągowo liegt die berĂŒhmte Wolfsschanze östlich von Rastenburg. Das ehemalige FĂŒhrerhauptquartier wurde hier mitten im Sumpf versteckt 1940 errichtet. Als ich hier mit meiner Familie die ehemaligen Bunker, die praktisch nur noch zerfallene Ruinen sind, bei einem Spaziergang das GelĂ€nde besichtigte, wirkte alles ein wenig unheimlich. Zwar sind hier viele Tagestouristen, allerdings haben die BĂ€ume und StrĂ€ucher das GelĂ€nde im Laufe der Zeit zurĂŒckerobert, sodass es teils recht dunkle und verborgene Ecken gibt. Ansonsten wirkt alles wie ein Spaziergang in einem dichten Wald. Die Schienen, die von Rastenburg auf das GelĂ€nde fĂŒhren, sind noch gut zu sehen, denn hier befand sich auch ein kleiner Bahnhof.

Essen gehen in Polen – landestypische Gerichte

In MikoƂajki kann man besonders schöne Abende im Sommer an der sehr langen Uferpromenade des Sees ‚Jezioro MikoƂajskie‚ erleben. Wenn dann noch der Sonnenuntergang hinzukommt und man ein bekömmliches polnisches Bier wie Tyskie oder Ć»ywiec in einer vielen Kneipen und Restaurants am Segelboothafen genießt, ist der Abend hier perfekt. Hier ist immer viel los. Um einen kleinen Vergleich zu ziehen mit Deutschland mĂŒssen wir gestehen, dass dieser Ort fĂŒr uns das Zentrum Masurens bildet – sowie etwa Waren an der MĂŒritz in der Mecklenburgischen Seenplatte.

Café Stettiner Haff Lubin

  • so schön kann man in Polen verweilen – mindestens genauso gut essen

Als wir damals privat in einer Unterkunft auf dem Land gewohnt haben, wurde hĂ€ufig fĂŒr uns gekocht. Die deftige polnische KĂŒche bietet allerlei Herzhaftes. Uns wurde meistens alles insgesamt  sehr groß aufgetischt. Alles, was unsere Gastgeber zur VerfĂŒgung hatten, schien uns beim Abendessen an einem großen Tisch prĂ€sentiert worden zu sein. Ob Tomaten mit Zwiebeln belegt und dazu Brot und typische Wurstwaren oder Warmes aus der traditionellen KĂŒche. HĂ€ufig gab es auf den Speisekarten in Polen auch Piroggen zu finden. Die mit Fleisch gefĂŒllten Teigtaschen werden in der Regel von Hand geformt. Die polnische KĂŒche bietet aber auch Sauerkraut – z. B. das Nationalgericht Bigos. Der Krauteintopf aus Wurst- und Fleischresten und Pilzen wurde uns des Öfteren serviert. Unser persönliches Liebligsgericht aus Polen.

Mikolajki Masuren Polen1

  • Jezioro MikoƂajskie – Stimmung am frĂŒhen Abend im Hochsommer

Hier kann man viele AusflĂŒge in das Umland starten, sei es wandern gehen, Kanufahrten unternehmen oder alte GebĂ€ude und die Kriegsgeschichte erkunden. So habe ich mich einmal auf eine gefĂŒhrte Kayakfahrt mitten im Wald gemacht, die vom Haus einer Ă€lteren Ostpreußin startete. Langsam ruderte sie so durch unzĂ€hlige, weitlĂ€ufige KanĂ€le, die die einzelnen Seen miteinander verbinden. Die BĂ€ume hingen oft ĂŒber das Wasser, da Masuren dicht bewaldet ist. Teilweise kommt man sich wie im Dschungel vor.

Masuren Wald Boote Bootsanlegestelle
So kann man privat AusflĂŒge mit dem Boot auf KanĂ€len unternehmen

SpektakulÀre Tierwelt Masurens

Denn auch viele wilde Tiere gibt es noch hier, wie z. B. Seeadler, Kormorane, Reiherenten sowie Biber, Wölfe, Elche und Störche, die hĂ€ufig hoch oben auf alten Schornsteinen von Bauernhöfen auf dem Land nisten oder auf Pfeilern der kleineren Strommasten, die von Haus zu Haus fĂŒhren.

Storch Störche Horst Nest Polen Masuren

  • hĂ€ufig in Polen auf dem Land zu finden: Störche in der Brutzeit 
Schwan Familie SchwÀne Masuren See Natur Polen
die naturbelassenen Seen von Masuren

Der Weißstorch in Masuren

  • Aus ihren Winterquartieren in warmen LĂ€ndern wie SĂŒdafrika kehren sie im MĂ€rz zurĂŒck nach Masuren
  • Brutzeit ist von April bis Mitte Juni
  • Sie leben in von Menschen kultivierten Landschaften mit flachem Grasland und nutzen z. B. Strommasten und DĂ€cher von Bauernhöfen fĂŒr ihre Nester
  • Sie ernĂ€hren sich z. B. von Fröschen, MĂ€usen und KĂ€fern
  • Ende August fliegen sie bis zu 10.000 km weit ĂŒber den Balkan nach Ägypten bis nach SĂŒdafrika zurĂŒck
  • im Osten Polens, im Nationalpark des BiaƂowieĆŒa-Urwalds, kommt der seltene Schwarzstorch vor

Kulturelle Erlebnisse vorprogrammiert – ƚwięta Lipka

Auf meinen zahlreichen Besuchen Polens habe ich hĂ€ufig schöne Kirchen entdeckt, sei es in Danzig oder ToruƄ, wo man vom Turm aus auf die Stadt und die Weichsel blicken kann. Wenn man schon einmal in Rastenburg ist, bietet sich ein Tagesausflug nach ƚwięta Lipka an. „Heilige Linde“ hieß frĂŒher dieser Wallfahrtsort, der fast unversehrt den Krieg ĂŒberstanden hat. Fast 4000 Pfeifen beinhaltet die riesige Orgel im Inneren heutzutage. Dieser Wallfahrtsort wurde 1320 ursprĂŒnglich durch den Deutschen Orden gegrĂŒndet aufgrund der Wunder, die sich hier ereignet haben sollen. 

Swieta Lipka Heilige Linde Kathedrale Kirche Wallfahrt aussen rosa

  • so schön erstrahlt der Wallfahrtsort Heilige Linde 

Die ganze Anlage ist einfach sehr schön gelegen. Man kann hier einen ganzen Tag einplanen: die Orgel von innen in aller Ruhe bestaunen, die Parkanlage draußen besuchen und einen Spaziergang entlang des Jezioro Dejnowo machen – einer der beiden Seen, die ƚwięta Lipka umgeben. Die Waldlandschaft ist hier sehr ursprĂŒnglich und teils findet man abgelegene Bootsanlegestellen.

Masuren Parkanlage Park BĂ€ume Nature Garten

  • Masurens weitlĂ€ufig angelegte Parkanlagen 

Fazit

Polen sollte man kennen lernen. Es gibt unzĂ€hlige Gelegenheiten dafĂŒr – Bootsfahrten, restaurierte AltstĂ€dte, Lagerfeuer an einem See im Wald, Grillabende, Wanderungen, gĂŒnstigen Strandurlaub entlang der wilden OstseekĂŒste… Hier sollte jeder Naturfreund ohne Probleme fĂŒndig werden. Mit Sprachbarrieren hatten wir andernorts grĂ¶ĂŸere Probleme als in Polen, wo man sich gut und auch auf humorvolle Weise verstĂ€ndigen kann. Die Masuren bieten dabei einen idealen RĂŒckzugsort fĂŒr Mensch und Tier. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein und alles im Einklang miteinander zu harmonieren. Zu empfehlende Reisezeit: Mitte Mai bis Anfang September. Ein gutes Anti-MĂŒckenspray dabei nicht vergessen!

 Gedenktafel Gedenktag Polen Masuren

Taucht doch mal ein in die polnische Geschichte!

 

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Fotohabitate sagt:

    Ein schöner und informativer Post ĂŒber Polen! Ich muss gestehen, ich war noch nie bei unseren Nachbarn. V.a.Masuren hört sich fĂŒr mich als Naturfreundin sehr gut an. 🙂

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  2. Iris sagt:

    Ein schöner und informativer Artikel! 🙂

    Ich war vor 4 Jahren auch das erste Mal in Polen und war ebenfalls positiv ĂŒberrascht. Wir haben wunderschöne Tage an den Masuren verbracht und sind dann noch auf dem Bauernhof der Familie gewesen (mein Freund hat dort teilweise noch Familie), von wo wir AusflĂŒge nach Malbork und Danzig unternommen haben. Danzig ist eine richtig schöne Stadt und die Natur der Masuren ist einfach herrlich und total erholsam!

    Vor allem kann man dort schon fĂŒr kleines Geld ein schönes Zimmer mit Seeblick buchen und die gute deftige KĂŒche Polens genießen. Die Leute sind total gastfreundlich. Lohnt sich!

    Viele liebe GrĂŒĂŸe
    Iris von IchReiseImmerSo
    http://www.ichreiseimmerso.wordpress.com

    GefÀllt 1 Person

    1. Vielen Dank. Es freut uns sehr, endlich genauso von Polen Begeisterte gefunden zu haben! Wir stimmen zu – alles ist sehr familiĂ€r und gastfreundlich. Malbork ist auch sehr schön.

      GefÀllt 1 Person

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