Route durch Rajasthan: mit Zug & Fahrer von Jaipur nach Udaipur in Nordindien

Bericht von Christian –  follow us | Instagram

Video: Ausblick vom Amber Fort in Jaipur, hierunter beschrieben

Indien Guide Teil 2: Farbenfrohe StĂ€dte, große Seen und gigantische PalĂ€ste

  • Dauer dieser Route: 1 Woche (Jaipur, Amer – Jodhpur – Aravalligebirge – Udaipur, Lake Pichola)
Royal Gaitor Tumbas – königlicher Maharaja Friedhof in Jaipur. Unten beschrieben.

Anreise: per Inlandsflug aus SĂŒdindien ĂŒber Gujarat nach Rajasthan

Mit der indischen Billigflug Airline Indigo flogen wir vom Bundesstaat Tamil Nadu in SĂŒdindien zunĂ€chst in den Bundesstaat Gujarat in Norwestindien, das an Pakistan grenzt. Das wir einmal in genau dieser Ecke der Welt landen wĂŒrden, stand lange Zeit gar nicht fest. Wir waren selbst erstaunt, wie schnell so etwas auf einmal möglich war! Unsere EinreiseformalitĂ€ten am Immigration BĂŒro bei Ankunft in einem indischen Flughafen könnt ihr ĂŒbrigens hier nachlesen.

unsere einwöchige Route durch Rajasthan

Den Inlandfsflug buchten wir schon einige Monate vorab in Deutschland per Kreditkarte, nachdem wir unsere Reiseroute auserkoren hatten. Nachdem wir in Chennai losgeflogen waren, blieb der Flieger fĂŒr unseren Weiterflug nach Jaipur einfach auf dem Rollfeld des ‚Sardar Vallabhbhai Patel‘ International Airports in Ahmedabad (Gujarat) stehen – wie gut, dass uns Freunde vorab informierten, dass diese Zwischenlandungen in Indien ĂŒblich seien, um weitere Passagiere ins Flugzeug zu lassen. Sonst wĂ€ren wir womöglich versehentlich ausgestiegen… doch auch eine Lautsprecherdurchdsage erklĂ€rte, dass Passagiere nach Jaipur sitzen bleiben sollten. Wieder fielen wir im Flieger zwischen all den Indern auf und kamen wie so oft mit Sitznachbarn ins GesprĂ€ch, wĂ€hrend rund um uns auf einmal eine dichte SprĂŒhnebelwolke aus Wasserdampf das Innere des Flugzeugs umhĂŒllte – wahrscheinlich um die Raumtemperatur gleichmĂ€ĂŸig zu halten und Frischluft wĂ€hrend der Zwischenlandung in Ahmedabad hinzuzulassen. Dennoch wirkte der dichte Dampf erstmal befremdlich auf uns. Aber alles funktioniert dort auf seine Weise!

Jaipur, ‚the Pink City‘

Kaum von unserem langen Inlandsflug ĂŒber Chennai nach Ahmedabad bis Jaipur angekommen, standen wir plötzlich in einem Meer aus Farben – wobei Pink die dominante Farbe war. Pink steht in Nordwest-Indiens Bundestaat Rajasthan (dem grĂ¶ĂŸten Indiens) fĂŒr „Willkommen“. Jaipur bildet mit dem ca. 270 km entfernten Delhi und der Stadt Agra das sogenannte ‚Goldene Dreieck‘.

Ein sehr freundlicher Tuk-Tuk Fahrer namens Khalid half uns quer durch die Stadt. Wir fĂŒhlten uns wie in andere Zeiten versetzt, in einem Zustand aus „tausend und einer Nacht“. Klar herrschte auch dort das indische Chaos. Was uns aber recht schnell auffiel ist, dass Jaipur verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig sauber gehalten wird im Vergleich zu anderen StĂ€dten Indiens in diesem Ausmaß (3 – 5 Millionen Einwohner). So wenig AbfĂ€lle sahen wir in SĂŒdindien nicht wie an den breiten Boulevards von Jaipur.

Tagesausflug: City Palace

Eine der HauptsehenswĂŒrdigkeiten der Stadt ist der gigantische Stadtpalast bzw. ‚City Palace‚, in dem unter anderem noch Waffen, wie alte Schwerter und SĂ€bel der Maharajas ausgestellt sind.

Video: City Palace Tour

Im Innenhof des Stadtpalastes gingen wir zunĂ€chst mit einem Audioguide auf das GebĂ€ude des Mubarak Mahals zu. Dieses beinhaltet ein sehr sehenswertes Textilmuseum, das die Feinheiten der kostbaren alten Stoffe und KostĂŒme frĂŒherer Zeiten darstellt. Damals war es die Unterkunft fĂŒr Hofangstellte. Der Einritt in den Palast kostete uns um die 700 Rupien; fĂŒr einen Audioguide zahlt man noch ca. 150 bis 200 Rupien obendrauf. (Anmerkung: zum Zeitpunkt unserer Reise waren 85 Rupien ca. 1 Euro).

innerhalb des City Palace

Pink City wird auch einer der Stadtkerne genannt, den wir neben der Architektur der Old City & Mughal City gerade erkunden. ‚Mughal‘ steht fĂŒr das englische Wort ‚Mogul‘, denn auch das Mogulreich des damaligen Indiens hinterließ dort seine Spuren. Der damalige Maharaja ließ 1876 zu Ehren des Besuchs von Queen Victoria und Ihrem Ehegatten Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha die Stadt Jaipur pinkfarben bemalen. Einige EindrĂŒcke von uns dazu in Bildern rund um die Stadtmauer, den Stadtpalast und dem Palast der Winde, die alle nahe beieinander im Zentrum Jaipurs liegen:

Hawa Mahal, Palast der Winde in Jaipur

AusflĂŒge in der Pink City – UNESCO Weltkulturerbe

Erst seit 2019 wurde der alte, ummauerte Stadtkern, die eigentliche ‚Pink City‘ in die Liste der UNESCO Weltkulturerben aufgenommen. Das Hawa Mahal eignet sich gut, um AusflĂŒge im Inneren der rosafarbenen Stadt zu starten, da es sehr zentral liegt und von vielen Fahrer oder Taxis dort warten. Vor dem riesig anmutenden GebĂ€ude mit den vielen TĂŒrmchen, das 1799 fertiggestellt wurde und den Damen der königlichen Familie einen Ausblick auf das alltĂ€gliche Straßenleben bot, ohne sich nach damaliger Vorschrift verschleiern zu mĂŒssen, wimmelt es von SouvenirlĂ€den. An der Hawa Mahal Road wurden wir aber penetrant angesprochen und in GeschĂ€fte gelockt, die oft Fake-Artikel, wie nachgemachte Stoffe aus Polyester verkaufen. Davor warnte unser Fahrer auch zuvor, doch wir wollten dort Fotos machen. Besonders schön rosa leuchtet das GebĂ€ude morgens oder in der AbenddĂ€mmerung. Die MĂ€rkte am Tripolia Bazar unweit um die Ecke zur Ramganj Bazar Road waren interessanter – Blumen werden hĂ€ufig dort am Straßenrand verkauft. Doch in der Rushhour ist es eine der meist befahrendsten und lautesten Ecken der Pink City.

MarktstÀnde am Tripolia Bazar in Jaipur

Water Palace bzw. ‚Jal Mahal‘ am Man Sagar Lake

Einer der Ausflugsziele, die wir im Tuk-Tuk ansteuerten fiel sofort ins Auge, das etwas nördlich außerhalb von Jaipur gelegene Jal Mahal, der eindrucksvollen Wasser Palast. Das Bauwerk, der aus dem Jahre 1799 stammt, wurde Anfang der 2000er renoviert. Nicht nur die Geschichte des vier Stockwerke unterwasser liegenden ‚Water Palace‘ beeindruckte uns, nachdem dort damals das Umland durch aufgestautes Wasser geflutet wurde, sondern auch die Menschen, die sich an der langen Uferpromenade versammeln.

das Jal Mahal steht vier Stockwerke untwerwasser

In bunten Trachten zusammengekommen, machten viele PĂ€rchen Fotos vor dem vertrĂ€umt romantischen Hintergrund des Man Sagar Sees. StraßenverkĂ€ufer siedelten sich dort ebenso an wie Anbieter, die zum Kamelreiten einluden. Viel entspannter war die AtmosphĂ€re dort als im quirligen Viertel vor dem Palast der Winde, wo wir um einiges mehr angesprochen wurden, um Waren zu erwerben – bunte TĂŒcher oder Ă€hnliches.

die Farben und Muster Rajasthans sind vielfÀltig

Besuch einer Textilmanufaktur und Schmuckproduktion in Jaipur

An der Brahmpuri Road, unweit sĂŒdlich des Jal Mahals findet man wohl die meisten Textilmanufakturen oder Teppichhersteller in der Stadt. Auch unserer Fahrer zeigte uns diese Ecke. In einem der LĂ€den durften wir uns zunĂ€chst die aufwendige Handarbeit mittels des Siebdruckverfahrens ansehen. ‚Bis zu sieben Schichten können wir mit den Stempeln aufeinander anbringen‚ erklĂ€rte uns einer der Arbeiter. NatĂŒrlich konnten wir nicht widerstehen und kauften eine handgemachte Tischdecke mit Elefanten-Motiv und ein Halstuch, wofĂŒr auch unser Fahrer einen kleinen Obolus bzw. eine kleine Provision erhielt.

indische Handarbeit

Mitten in einem unscheinbaren Wohngebiet in einer Hinterstraße steuerten wir noch auf einen Schmuckfabrikanten zu. Im Keller des Hauses, zum dem unser Fahrer uns begleitete, schliffen Angestellte einige Edelsteine, wĂ€hrend sie auf dem Boden saßen oder polierten Silberschmuck. Jaipur ist weltweit bekannt fĂŒr sein Edelstein- und Schmuckgewerbe.

Stadt Amer und Amber Fort, UNESCO Weltkulturerbe

Wenn einem die Millionenmetropole Jaipur zu hektisch werden sollte, dann raus aus der Stadt mit einem Tuk-Tuk ins 11 km nördlich gelegene Kleinstadt-Idyll Amer (auch ‚Amber‘ genannt). Bevor Jaipur neu gegrĂŒndet wurde, war Amer die Hauptstadt der Kachchwaha-Dynastie in Rajasthan. Sie liegt in den bewachsenen AuslĂ€ufern des Aravalligebirges, das wir ebenfalls spĂ€ter bereisten (s. unten). Highlights neben ein paar alten WandgemĂ€lden und Tempeln der Stufenbrunnen ‚Panna Meena ka Kund‘, der auf Karten oft als ‚Step Well‘ eingezeichnet ist. Der Eintritt ist kostenlos. Die Stufen hinunter zu gehen ist dort verboten – in der Stadt Jodhur war dies allerdings in einem anderen Stufenbrunnen erlaubt. Bewacht wird der Platz von einheimischen Behörden, sodass niemand hinunter fallen sollte.

Das Amber Fort (amber erinnert auch an das Englische Wort fĂŒr Bernstein), ist nach dem Taj Mahal in Agra die meistbesuchteste SehenswĂŒrdigkeit Indiens. Am Eingang am Ufer des Maotha Sees vor der Bergfestung warten zahlreiche TouristenfĂŒhrer darauf, einen hinauf zu fĂŒhren – wir lehnten dankend ab, obwohl sie darauf bestanden ‚einen vor den dort wimmelnden Taschendieben schĂŒtzen zu wollen‘. NatĂŒrlich passten wir umso mehr auf unser Hab und Gut auf, das nur aus Wasser, Geld, einer Kamera und Sonnencreme bestand – die wir fĂŒr uns unabdingbar, denn die indische Sonne prallte auf den vielen Stufen heiß auf uns herab.

Die Hinterseite am Amber Fort & eine typische Wandmalerei in einem Innenhof

Der Innenhof oben in der Festungsanlage ist mit einem kleinen Brunnen ausgestattet und grĂŒn bepflanzt. Von dort aus konnten wir zahlreiche Kunstwerke bestaunen, unter anderem den berĂŒhmten Spiegelsaal aus Mosaiksteinen mit kleinen Spiegeln oder Wandmalereien. Um den bekannten Spiegelsaal versammelten sich im Palast aber die meisten Touristen, so dass hĂ€ufig jemand durch das Bild lief. Manche RĂ€ume oder SĂ€ulenhallen waren anders gestaltet als andere – es gab dort hellblaue Mosaike oder rosafarbene in anderen Ecken. Angestellte kĂŒmmerten sich um den Erhalt der Anlage: eine Frau sĂ€uberte mit einem einfachen Staubwirbel eine riesige Mosaikhalle ganz allein, wĂ€hrend GĂ€rtner den Innenhof pflegten.

als schien sie den riesigen Palast ganz allein zu putzen

Alles sollte möglichst herausgeputz wirken. Doch auf der Hinterseite des Amber Forts konnten wir auch den allmÀhlichen Zerfall beobachten: wo weniger Touristenströme hingelangten, wurde anscheinend auch weniger restauriert. Dennoch gibt es dort genug tolle Fotospots, wohin sich kaum jemand verirrt.

Geheimtipp von unserem Fahrer: Gaitore Ki Chhatriyan, die RuhestÀtte der Maharajas

Khalid, unser Fahrer, war ĂŒberzeugt, uns einen ganz besonderen Ort zu zeigen – einen ‚Geheimtipp‘, wie er ihn nannte: die ‚Royal Gaitor Tumbas‘. Diese letzte RuhestĂ€tte der Maharajas von Jaipur liegt zwischen dem Jal Mahal, unweit des Man Sagar Sees und der zweiten großen Festung in Jaipur – dem Nahargarh Fort. 30 Rupien Eintritt ließen wir dort und waren beim Betreten der Anlage sofort verzaubert. Einige Ehrengrabmale, auch ‚Kenotaphen‚ genannt, waren Ă€lter und von Hand erbaut; die helleren, weißen Mahnmale waren die neueren, die laut unserem Fahrer mit technischer UnterstĂŒtzung durch Maschinen entstanden. Einer der Ă€ltesten Grabmale war dem Maharaja Ram Singh gewidmet, der von 1835 bis 1850 in Jaipur regierte, wie wir einem Schild auf Hindi und Englisch entnahmen. Morgens kommen dort oft Inder hin, um ungestört Yoga praktizieren zu können – oder wie bei uns am Nachmittag Hochzeitsfotografen, die PĂ€rchen aufnehmen.

Maharaja RuhestÀtte in Jaipur

Wir fuhren spĂ€ter zum Hotel zurĂŒck und bedankten uns bei Khalid, dem wir fĂŒr zwei Tage ausgiebige StadtfĂŒhrung und AusflĂŒge in die Umgebung Jaipurs 4000 Rupien hinterließen. Gerne empfehlen wir ihn euch bei Interesse weiter, da er ein sehr ehrlicher und zurĂŒckhaltend freundlicher Fahrer war. Bei Interesse haben wir noch seine Telefonnummer oder Webseite.

Essen & Gastronomie in Rajasthan

Unser liebstes Gericht in Rajasthan war ĂŒbrigens Palak Paneer, also der Eintopf aus Spinat mit WeichkĂ€sewĂŒrfeln – dazu ein wenig Chapati Brot mit KĂ€se gebacken – ein Genuss. Landestypisch ist natĂŒrlich das Gericht Thali, das in Rajasthan auf einem runden Edelstahlteller serviert wird und recht scharf mit den GewĂŒrzen aus dem Norden sein kann – im Gegensatz zu SĂŒdindien, wo wir es von einem ausgebreiteten Bananenblatt aßen und alles recht mild war. Gebratenen Reis mit GemĂŒse gibt es ansonsten ĂŒberall, neben vielen vegetarischen Gerichten, und wir wurden stets gefragt, wie scharf es uns zubereitet werden sollte. Zum FrĂŒhstĂŒck gefiel uns das frittierte Puri bzw. Poori Brot unglaublich gut, das wie ein aufgeblasenen Kissen wirkt. Insgesamt mochten die Preise etwas teurer als im SĂŒden Indiens sein. Besonders fĂŒr Bier (z. B. von Kingfisher) war auf den Dachterrasen-Restaurants mit Ausblick griff man etwas mehr in die Tasche. Aber auch das ist Jammern auf deutschem Niveau, denn das Bier kostete um die 300 Rupien (ca. 4,50 Euro) – mit Traumausblick.

Unser Boutique Hotel in Jaipur, ca. 1 km vom Bahnhof

Am nÀchsten Tag sollten wir nun auf den Schienen Rajasthans weiterreisen, d.h. um ca. 5:00 Uhr morgens das Hotel zu verlassen.

Zugfahren in Nordindien – nicht so voll wie erwartet, aber sehr bĂŒrokratisch

Einen Tag vor der Weiterreise erkundeten wir uns bereits am Bahnhof von Jaipur nach der Abfahrtszeit und kauften das Ticket, denn es herrschte großer Andrang. TĂ€glich fahren etwas zwei (oder drei) ZĂŒge zwischen Jaipur und Johdpur. Wir nahmen den sehr frĂŒhen Zug ab ca. 06:00 Uhr morgens, um noch genug Zeit im Zielgebiet zu haben und um unsere vorab reservierte Unterkunft rechtzeitig finden zu können. Die eigentliche Zugfahrt sollte ca. viereinhalb Stunden durch die lĂ€ndlichere Gegenden Rajasthans dauern. Wirklich wichtig ist, genug Zeit am Bahnhof vorab einzuplanen: sich zurechtzufinden benötigt Zeit – und auch die Gleise können sich kurzfristig Ă€ndern. Die Prozedur, das Ticket zu erwerben erwies sich als bĂŒrokratisch und nimmt fĂŒr AuslĂ€nder definitiv einige Zeit in Anspruch. Beim AusfĂŒllen des Fahrschein-Formulars am Schalter Nr. 769 in Jaipur, der am Bahnhof von Jaipur u. a. fĂŒr AuslĂ€nder vorgesehen ist, half uns zum GlĂŒck unserer Tuk-Tuk Fahrer Khalid – sonst hĂ€tte es nicht so gut mit dem Ticket geklappt, fĂŒr das wir am Ende nur 135 Rupien in der 2. Klasse fĂŒr eine mehrstĂŒndige Fahrt zahlten.

morgens um 05:30 Uhr im Bahnhof von Jaipur, Rajasthan
im Zug nach Jodhpur, 2. Klasse

Der festgelegte Sitzplatz und das vorbestimmte Abteil im Zug war recht schnell zu finden, eine Info darĂŒber erhĂ€lt man per SMS. Das heißt: ohne indische Handynummer praktisch kein Zugticket! (Anmerkung: in SĂŒdindien, z. B. Kerala, gibt es diese bĂŒrokratischen Prozeduren fĂŒr Zugfahrten nicht.) Zuvor das richtige Abfahrtsgleis zu finden war das schwierigste – nur durch reines Durchfragen gelang es uns. Insgesamt war die Zugfahrt ok, es wurde aber stets voller in dem Zug. Dennoch war es lĂ€ngst nicht so ĂŒberfĂŒllt, wie es bekannte Fernsehbilder aus Indien hĂ€ufiger zeigen. Zur Ruhe kamen wir dennoch nicht. Alle paar Minuten laufen Bedienstete an einem vorbei, die GetrĂ€nke verkaufen und dabei lauthals „Chai! Chai! Coffee!“ rufen. Aber immerhin konnte man GetrĂ€nke kaufen, sowie es auch in SĂŒdindiens ZĂŒgen ĂŒblich war. Fazit: bequem ist etwas anderes, aber es ist machbar, nachhaltig und authentisch!

Jodhpur, die ‚Blaue Stadt‘

Wie lange wollten wir einmal diese Stadt erleben, ĂŒber die wir vorab schon einiges im Lonely Planet oder anderen ReisefĂŒhrern mit Erstaunen gelesen hatten: einige sogenannte blau bemalte StĂ€dte gibt es weltweit, z. B. Chefchaouen in Marokko oder JĂșzcar in Andalusien. Und Jodhpur ist einer der Top-Adressen dafĂŒr weltweit – doch es lag immer so weit weg… am Rande der Thar WĂŒste. Die Stadt erlangte den Wohlstand durch den frĂŒheren Karawanenhandel entlang einer Handelsstraße.



In Jodhpur waren es bei Ankunft 32°C. Vollgepackt nahmen wir vor den Bahnhof eines der dort zahlreichen Tuk-Tuks, um durch die Altstadt zu unserem Boutique Hotel zu gelangen. Dieses buchten wir bereits vorab, da man von dort nahe des blauen Stadtteils war und es außerhalb des lauten Stadtkerns lag. Zum GlĂŒck. Denn Jodhpur war definitiv die chaotischste und quirligste Stadt auf unserer ganzen Indien Rundreise – inklusive dem SĂŒden. Obwohl die Rushhour in Coimbatore (Tamil Nadu) dem sehr nahe kam. Doch Jodhpur war eng und stickig, der Verkehr verteilte sich kaum und es liefen Menschenhorden dicht an dicht in den engen Gassen der Altstadt herum, die wie ein verschachteltes Labyrinth auf uns wirkten. Unser Tipp: beginnt eure Indien Reise lieber woanders, um euch langsam an alles zu gewöhnen – hier seid ihr dann im wahren Indien angekommen!

eine Boutique im nördlichen Teil der Altstadt von Jodhpur

Nach etwas Entspannung in dem alten und kĂŒhlen Haweli, in dem unser Hotel lag, wollten wir erst einmal die blaue Altstadt von erkunden, die hinter dem großen Meherangarh Fort liegt. Deshalb wĂ€hlten wir das Hotel von der Lage zuvor so aus, um dort zu Fuß hinĂŒber gehen zu können – das hieß, einmal ĂŒber die Festung und dann wieder hinunter. Das alte Fort ist mit ca. 350 m Höhe der perfekte Fotospot ĂŒber die blaue Stadt!

Ausblick von der hinteren Seite der Meherangarh Festung

Die meisten Bekanntschaften unserer Indien Reise schlossen wir in Jodhpur

In Indien ist gefĂŒhlt alles möglich. Wohl nie sind wir auf Reisen so intensiv mit Einwohnern ins GesprĂ€ch gekommen, wie dort. ‚Willst du mitmachen in einer Bollywood-Verfilmung? Wir suchen noch auslĂ€ndische Statisten, die im Hintergrund in einem Restaurant sitzen. 1000 Rupien plus Verpflegung, das ganze geht bis 2.00 Uhr morgens am Set.‚ so wurden wir von einer unscheinbaren Landenbesitzerin beim Hinauflaufen der Festung angesprochen. Obwohl wir zweimal dankend ablehnten (denn am nĂ€chsten Tag wollten wir weiterreisen), haben wir noch heute die Handynummer fĂŒr einen möglichen RĂŒckruf aufbewahrt. Man weiß ja nie!

Ebenfalls lernten wir einen indischen Studenten kennen, der aus Assam kam und fĂŒr ein Projekt in Jodhpur war. Am Clock Tower sprach er uns an, woraufhin wir zwei Tage gemeinsam die Stadt erkundeten – noch heute halten wir ab und zu Kontakt ĂŒber das Internet. Interessant war, dass er kein Hindi sprach, da er aus dem Ă€ußersten Nordosten Indiens kam und selbst er sich auf Englisch durchfragen musste wie wir. Zusammen den Devkund See oben auf dem Berg der Festung zu besuchen machte gleich mehr Spaß. Der ‚Devkund Lake‘ ist tatsĂ€chlich ein natĂŒrliches Frischwasser Habitat, wie ein Schild erklĂ€rte, und entstand aus Regenwasser. Ein großartiges Maharaja Denkmal bzw. Mausoleum, das Jaswant Thada, steht neben dem See, der im Winter sogar Pelikane beheimaten soll.

im Park des Jaswant Thada, Maharaja Denkmal in Jodhpur

Abends in einem Restaurant an der Meheranghar Festung, mit Ausblick auf die beleuchtete Altstadt, sprachen uns Deutsche aus Hannover an. Sie erzĂ€hlten uns, dass sie am nĂ€chsten Morgen mit dem Zug zur ‚Goldenen Stadt‘ Jaisalmer weiter in die Thar WĂŒste in Richtung pakistanische Grenze wollten. Nur ĂŒber Jodhpur gelangt man per Zug dorthin. Sie hatten somit eine ca. sechsstĂŒndige Zugfahrt vor sich. ‚Vielleicht treffen wir uns wieder in Udaipur‚, meinten Sie, denn die Welt schien ja klein zu sein.

Mehr als nur blau – Geheimtipp von uns: bunte Straße ‚Do Kota Marg‘

Jodhpur, die sogenannte blaue Stadt, ist nĂ€mlich viel mehr als eine Ansammlung blauer HĂ€userfassaden. In der Straße ‚Do Kota Marg‘ direkt neben dem stĂ€dtischen See ‚Gulab Sagar Lake‘ fanden wir diese wunderschönen Hawelis vor. Diese liegen also nicht im ‚blauen Teil‘ der Stadt, auf der anderen Seite der riesigen Meherangarh Festung, die ĂŒber der Stadt weit sichtbar thront – aber unweit zu Fuß davon. Dieser Stadtteil Jodhpurs ist um einiges ruhiger als der Teil um den unglaublich lebhaften Clock Tower Markt im Zentrum.

Bunte Straße Do Kota Marg Jodhpur

Weiterreise zum Ranakpur Jain Tempel im Aravalligebirge

Wir sind 280 km mit einem Fahrer fĂŒr 3000 Rupien gefahren, dabei gingen 1000 Rupien an eine Agentur ĂŒber die wir einen Abend zuvor buchten. Die Tour sah eine ca. 7 stĂŒndige Fahrt ĂŒber Schnellstraßen, sowie Schotter- und Steinpisten zwischen Jodhpur, Pali und Udaipur vor mit einer Pause von 90 Minuten nahe eines Wildlife Sanctuarys in den Bergen. Ein echtes Erlebnis!

Der Adinatha-Tempel – Eingangshalle zum Ranakpur Tempel

Der Ranakpur Jain Tempel begeisterte uns sofort. Der Haupteingang des Tempels mit dem roten Teppich befindet sich im Westen der Anlage und ist dem GrĂŒnder des Jainismus gewidmet: Adinath, auf Sanskrit: ‚der Herr des Anfangs‘.

Der Jainismus ist eine eigene und sehr alte Religion in Indien, die aus dem 5. bis 6. Jahrhundert stammt und eine Art VorgĂ€nger-Religion des Hinduismus, entstanden aus dem Buddhismus, ist. 1496 wurde der gewaltige Ranakpur Jain Tempel mit seinen vielen SĂ€ulen und Schreinen mitten im bewaldeten Gebirge um einen ganz bestimmten Baum herum nach langer Bauzeit fertiggestellt: dieser steht noch heute in der zentralen Tempelanlage in einem Innenhof, der Baum des Lebens, der ‚Tree of Life‚. Er wirkte bezaubernd auf uns – wie ein riesengroßer Bonsai, von dem irgendwie eine magische Ausstrahlung ausging.

Restaurant an einem Fluss im Aravalligebirge

Unser Zielort Udaipur war vom Tempel in den Bergen noch ca. drei Stunden entfernt. So empfahl uns der Fahrer eine Pause im Amrai Restaurant, wo ein riesiges Buffet auf uns wartete. Zwei, drei andere auslĂ€ndische GĂ€ste waren dort ebenfalls mitten in der Natur, an den HĂ€ngen der grĂŒnen Berge. Dort in der NĂ€he kann man Dschungel Safaris starten. Anstatt der Tiger begegneten wir auf den kurvigen, teils engen Straßen des Gebirges aber nur ein paar wilden Affenhorden, die hinter den Kurven an den steilen HĂ€ngen mancherorts mitten auf der Straße lauerten.

Udaipur am Lake Pichola – City of the Lakes

Abends trafen wir pĂŒnktlich zum Sonnenuntergang mit dem Fahrer bei unserem Hotel ein – es lag auf einer Anhöhe zwischen den beiden großen Seen in Udaipur.

Die bezauberndste, grĂŒnste und schönste Stadt, die wir auf der ganzen Indien-Rundreise antrafen, war definitiv Udaipur, die Stadt der Seen. Romantisch und niedlich gestaltet war das Stadtbild, das ringsherum vom Wasser der Seen umgeben war. Wie interessant war es zu beobachten, dass neben dem vielen Wasser auch die Architektur auf den ersten Blick teils der von Venedig Ă€hnelte.

an der Swaroop Sagar BrĂŒcke

City Palace – Anlegestelle fĂŒr Bootsfahrten

In der Stadt der Seen Udaipur kamen wir nicht um eine Bootsfahrt herum. Hinter dem gigantischen City Palace, dem grĂ¶ĂŸten Palast in ganz Rajasthan, liegt die Bootsanlegestelle in einem Park. Der Eintritt ist mit 300 Rupien viel gĂŒnstiger als im Palast von Jaipur mit 700 Rupien EintrittsgebĂŒhr.

Wer hĂ€tte es gedacht, sogar Deutsche trafen wir an der Kasse am Eingang und wĂŒnschten ihnen noch einen angenehmen Aufenthalt. Von der Außenfassade her war der Palast von Jaipur der sehenswerteste, doch von der Ausstattung der RĂ€ume im Inneren definitiv der Stadtpalast von Udaipur.

Jede Etage, ja fast jeder Raum, war in anderen Farben gestaltet. Der eine strotze in rosa, der andere in hellblau und dazu gab es noch aufwendige Wandmalereien mit unterschiedlichem Dekor. Bestimmten Maharajas waren einzelne RĂ€ume gewidmet. Auch die original Brille des Schauspielers Ben Kingsley aus dem Film ‚Gandhi, der acht Oscars gewann, wird dort zur Schau gestellt. Doch es wimmelt dort vor dem AusstellungsstĂŒck ungefĂ€hr so viel von Menschen, wie wir sie damals vor der Mona Lisa im Louvre antrafen. Wie ein verschachteltes Labyrinth mit engen TreppengĂ€ngen zwischendurch war der Palast gestaltet; die Wege durchqueren ihn nur in eine Richtung als Rundgang.

Seen rund um Udaipur – Lake Pichola

Sowohl öffentliche und offizielle Bootsanbieter, als auch private findet man hinter dem Stadtpalast.

Video: Bootsfahrt auf dem Pichola-See

Die öffentlichen und staatlich geförderten Anbieter bieten Touren fĂŒr um die ca. 250 Rupien pro Stunde an, fahren aber nicht zu Sommerresidenz auf der Insel Jagmandir Island. Deshalb nahmen wir einen privaten Anbieter. Auf der Insel befindet sich ein wunderschön angelegter und gepflegter Garten, neben einem teuren Hotel und einem Innenhof mit Cafes. Diese sind allerdings hochpreisig. Mit einer Schwimmweste, die wir wĂ€hrend der Bootsfahrt tragen mussten, ging es nach ca. 45 Minuten zurĂŒck an Land.

hier legen die Boote auf der Insel an

1551 wurde die Sommerresidenz der damaligen Maharajas von Udaipur auf Jagmandir Island errichtet. Die Insel beherbergt außer dem Palast noch teure CafĂ©s, neben einem kleinen, kostenlosen Museum und einem großen, sehr schönen Park. Wasser und etwas zu essen sollte man sich vorher von Land mitbringen, wenn man Geld sparen möchte. Dies rieten uns zuvor auch andere Reiseberichte, da Restaurant Besuche dort ins Geld gehen können.

Fateh Sagar Lake

Ein schönes, grĂŒnes und ruhigeres Fleckchen in Udaipur bot uns der zweite große See der Stadt, der Fateh Sagar See. Er ist ein tolles Ausflugsziel fĂŒr SpaziergĂ€nge und Parks, z. B. der Sanjay Ghandi Park, der direkt am Wasser liegt. Aber auch die kleine Insel mitten im See beherbergt einen Park mit architektonisch schön gestalteten Pavillons – den ‚Nehru Garden‚, die man mit dem Boot ansteuern kann fĂŒr 125 Rupien Eintritt. Der See ist am Ufer hĂ€ufig von blĂŒhenden Wasserpflanzen gesĂ€umt und wirkt wilder als der bekannte und touristischere Pichola See. Udaipur ist insgesamt fĂŒr 3 Tage lohnenswert. Es gibt auch noch ein Observatorium.

Dachterrasse des Restaurants Shahi Bagh in Udaipur

Am besten auf unserer Rundreise durch Indien haben wir im Restaurant ‚Shagi Bagh‚ an diesem See in Udaipur gegessen. Es liegt am Anfang der Rani Road, direkt am See. Nicht nur die Traumkulisse am See, sondern auch die leckeren Speisen waren bemerkenswert. Zudem war die Auswahl in der Speisekarte sehr groß und man saß bequem auf gepolsterten SitzbĂ€nken auf der Dachterrasse.

Fazit

Eine absolute Traumreise, die endlich in ErfĂŒllung ging fĂŒr uns und die uns so viel bereichert hat. In unserem jetzigen Lebensalter schon einmal mitten in Indien zu stehen, hĂ€tten wir in der Kindheit wohl fĂŒr unmöglich gehalten, abseits von TagtrĂ€umereien. Immer wieder können wir nur betonen, dass es gar nicht so kompliziert war, wie man hĂ€ufig denkt, diese Reise anzutreten und dass es einen nicht davon abhalten sollte, sich einmal auf etwas Unbekanntes einzulassen. Trefft euch vor Antritt einer derartigen Reise doch mit Indern oder fragt in einem indischen Restaurant eurer Wahl in der Heimat nach und holt euch Tipps aus erster Hand – dies hat uns immens geholfen und desto mehr stieg die Neugier.

Ideale Reisezeit fĂŒr Rajasthan: November bis Februar. Wir reisten ebenfalls im November – wie oben beschrieben war es hĂ€ufig um die 32 Grad Celsius warm, insgesamt angenehm. Im November treffen laut unserem Fahrer zunĂ€chst die EuropĂ€er ein, woraufhin die amerikanischen Touristen im Dezember folgen.

Das Leben in Rajasthan wird BUNT gestaltet

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