Schottland Roadtrip

  • Bericht von Julia

 

Die erste Übernachtung unserer Schottland Mietwagenrundreise war bereits auf der FĂ€hre von Amsterdam nach Newcastle. Die FĂ€hre buchten wir ĂŒber DFDS Seaways und fuhren dann mit der King Seaways. Die Überfahrt dauert ca. 16 Stunden wobei Check-In und Boarding natĂŒrlich einige Zeit vorher stattfinden. PĂŒnktlich zum FrĂŒhstĂŒck geht man in Newcastle von Bord und kann die schottische Brise spĂŒren.

Nun sind wir bereit dieses kleine Land zu erkunden. Schottland ist flĂ€chenmĂ€ĂŸig nicht sehr groß, aber erzĂ€hlt doch eine sehr große Geschichte, von FreiheitskĂ€mpfen und einer Vergangenheit verschiedener Kontinente, dazu werden wir spĂ€ter noch mehr schreiben. Bisher haben wir nur die typischen schottischen Bilder vor Augen gehabt: Burgen, Loch Ness und jede Menge Regen. Wer nach Schottland reist sollte unbedingt gut Regenkleidung mitnehmen, in den westlichen Highlands kann es an bis zu 250 Tagen im Jahr regnen.

 

Endlich wieder Festland unter den FĂŒĂŸen ging es dann auch schon los,  wir fuhren durch Nordhumberland nach Edinburgh. NatĂŒrlich auf der linken Seite denn in Schottland herrscht Linksverkehr. Ziemlich schwierig, weil man ja sozusagen auf der falschen Seite sitzt in einem deutschen Auto, ĂŒberholen sollte man lieber nicht. In Edinburgh lohnt sich eine StadtfĂŒhrung. Die Geschichte der Stadt und die vielen historischen GebĂ€ude sind sehr interessant. Edinburgh ist seit dem 15. Jahrhundert die Landeshauptstadt und die zweitgrĂ¶ĂŸte Stadt Schottlands (nach Glasgow). Edinburgh ist sehr gut vernetzt und wer seine Reise lieber per Zug fortsetzen möchte, kommt von hier an sehr gute Verbindungen durch das ganze Land und nach England.

Kulturell ist viel geboten:

Es gibt eine Vielzahl an Galerien und Museen, die in der ganzen Stadt verteilt sind, jedes davon hat seinen eigenen Charm. JĂ€hrlich finden tolle Festivals statt und vor allem ist das Edinburgh Military Tattoo sehr bekannt und lockt viele Zuschauer an. GĂ€sten mangelt es hier nicht an Attraktionen, es werden sehr viele Touren angeboten und da ist fĂŒr jeden etwas dabei. SehenswĂŒrdigkeiten sind vor allem die Princes Street, Royale Mile, das National Museum und National Galerie und das Edinburgh Castle. Wer Zeit hat sollte hier einige Tage verbringen und diese gleich von vornherein einplanen.

 

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Weiter ging die Reise durch das schottische Hochland in die geschichtstrĂ€chtige, mittelalterliche Stadt Stirling, auch hier lohnt es sich die Stadt genauer anzuschauen. Rund um die bekannte Burg hat sich das alte Stadtbild hervorragend gehalten. Da die Fahrt mit dem Pkw nur etwas ĂŒber eine Stunde andauert, bleibt hier genĂŒgend Zeit fĂŒr Kultur und Sightseeing. Überhaupt haben die Schotten ein sehr gutes Konzept alt und neu zu verbinden. Die StĂ€dte sind nicht schrecklich verbaut und mit HochhĂ€usern zugestellt, wie es anderswo der Fall ist. Hier findet man wirklich gut erhaltene Erscheinungsbilder mit viel Flair und Charme.

Durch das romantische Waldgebiet der Trossachs und entlang des Loch Tay fĂŒhrte unsere Fahrt nach Grantown-on-Spey. Ein guter Ausgangspunkt fĂŒr viele verschiedene TagesausflĂŒge wie zum Beispiel Cawdor Castle, Culloden Battlefield und dem Whisky-Trail. Wir besichtigten unter anderem die Malz-Whisky-Brennerei Glenfiddich im Raum Dufftown. Auch die Highlands von Wester Ross sind einen Besuch Wert und vor allem die wildromantischen HochlandgĂ€rten von Inverewe bei Poolewe. Durch den Golfstrom begĂŒnstigt herrscht hier teils sogar ein subtropisches Klima. Alle Ausflugsziele sind in kĂŒrzester Zeit erreichbar und lohnen sich sehr. Der Golfstrom ist im Übrigen auch der Grund warum so viele Vögel die Inseln zum Überwintern nutzen. Sie sind sozusagen etwas faul und fliegen nur bis nach Schottland, dort ist es ihnen warm genug. Im Sommer geht es dann zurĂŒck in den hohen Norden. Nicht nur fĂŒr Vogelbeobachter ist es hier sehr interessant, sondern auch Delfin- und Walbeobachtungen sind möglich.

 

  • Malz-Whisky-Brennerei Glenfiddich

 

Ein Must See der Insel ist natĂŒrlich Loch Ness, der zweitgrĂ¶ĂŸte See Schottlands. UrsprĂŒnglich ist dieser See durch die Schmelze eines Eiszeit Gletschers entstanden. Seit Hunderten von Jahren wird immer wieder ĂŒber „Nessie“ berichtet, ein Seeungeheuer. In Drumnadrochit kann man viele Souvenirs von Loch Ness und seinem Monster kaufen. Aufgrund dieser Geschichten sind hier ziemlich viele Touristen die den See besuchen.

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In Fort Augustus, Ivergarry und Fort William lohnt sich ebenfalls ein kleiner Stop. Ersteres ist ein kleiner Ort am sĂŒdlichen Ende von Loch Ness mit gerade mal wenigen hundert Einwohnern, der Ort erblĂŒht praktisch durch den Nessie-Tourismus und hat ein schönes Erscheinungsbild. Wenn man ein Auto vor Ort hat, kann man schnell mal eine kurze Pause in den kleineren Orten machen – das lohnt sich unserer Meinung nach mehr als die großen StĂ€dte.

Die nĂ€chste Übernachtung sollte in Glen Coe sein, ein wunderschönes Tal in den schottischen Highlands. Glen Coe ist ein beliebtes Skigebiet im Winter und im Sommer eine gute Adresse fĂŒr ausgedehnte Wanderungen. Kaum eine andere Landschaft Schottlands ist so zerrissen wie die Landschaft hier in diesem berĂŒhmten Hochtal. Nicht grundlos war dieses Tal schon hĂ€ufig Filmkulisse fĂŒr erfolgreiche Blockbuster, wie zum Beispiel Braveheart oder Harry Potter in der Gefangene von Askaban.

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Die Highlands

Diese Berge sind der Beweis, dass es vor vielen Millionen Jahren gewaltige Unruhen zwischen Schottland und England gab, diese Unruhen sind allerdings nicht durch Menschen ausgelöst wurden. Hier steht man an der höchsten Stelle Großbritanniens, wie diese zustande kam ist absolut beeindruckend. Schottland und England haben erst vor ca. 410.000.000 Jahren zueinander gefunden, vorher waren die LĂ€nder nicht nur durch Wasser von einander getrennt, sie unterschieden sich vor allem auch durch die zwei unterschiedlichen Urkontinente, auf denen sie angesiedelt waren. So gehörte Schottland dem Kontinent Laurasia an und England dem Kontinent Godwana. Als diese aufeinander krachten entstanden die Highlands. Die Highlands waren zu damaligen Zeiten noch um einiges höher und massiver, durch die Erosion wurden die Berge teils wieder abgetragen und die TĂ€ler ausgewaschen. Was viele allerdings gar nicht wissen: die beiden LĂ€nder sind nicht nur durch die Bergkette getrennt. Es gibt da auch noch den Hadrianswall. Dieser ist viele hunderte Jahre alt und wurde von den Römern erbaut. Er war die Grenze des römischen Reichs, dahinter war sozusagen unheimliches und unentdecktes Land. Er war ursprĂŒnglich 6m hoch und bis zu 3m breit bei einer LĂ€nge von 117km. Im Jahre 1987 wurde der Hadrianswall zum UNESCO Weltkulturerbe erklĂ€rt und ist ein beliebter Anlaufpunkt von Touristen.

Das Freiheitssymbol Schottlands

Viele bekommen ihn niemals zu Gesicht, wissen nicht einmal, dass er existiert und durch die Landschaft streift – der Highland Tiger. Eine buschige und große Wildkatze, die leider heute, wie so viele andere Tiere auch, vom aussterben bedroht ist. Es gibt nur noch wenige Hundert Exemplare, die durch die Highlands streifen. Diese Katze war schon vor Jahrhunderten das Freiheitssymbol der Schottischen Bevölkerung (die auch hinter dem Hadrianswall im unendeckten Land lebte) und ist es auch bis heute geblieben.

 

 

Am nĂ€chsten Tag fuhren wir durch das Rannoch Moor entlang des wohl schönsten See Schottlands, dem Loch Lomond nach Irvine. Das Rannoch Moor bedeckt ca. eine FlĂ€che von 130kmÂČ und liegt ebenfalls in den Highlands umgeben von Bergen die an die 1000m Höhe aufweisen. Hier findet man wirklich schottische Natur, die nicht durch Menschenhand berĂŒhrt wurde. Das ist auch wirklich gut so, denn Moore sind sehr wichtig fĂŒr unser Ökosystem und mĂŒssen dringend geschĂŒtzt werden.

Der Loch Lomond ist der grĂ¶ĂŸte See des Landes mit einer FlĂ€che von 71 kmÂČ und je nach Wasserstand kann man hier viele einzelne Inseln vorfinden. Rund um den See herrscht Wildwuchs und Natur pur. Ein schöner Ort um diese Schottlandrundreise ausklingen zu lassen. Vom Loch Lomond kann man noch einmal Edinburgh oder Glasgow als Ziel anpeilen, wir entschieden uns allerdings fĂŒr keinen weiteren Zwischenstop und blieben lĂ€nger am See.

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Die RĂŒckfahrt erfolgte wieder per FĂ€hre von Newcastle nach Amsterdam. Auf dem Weg zum Anleger machten wir Halt bei dem berĂŒhmten ehemaligem „Hochzeitsparadies“ Gretna Green. Noch heute geben sich hier zahlreiche Paare traditionell das Ja-Wort. In Gretna Green war eine minderjĂ€hrigen Hochzeit ohne EinverstĂ€ndnis der Erziehungsberechtigten möglich, aus diesem Grund reisten schon vor 200 Jahren unzĂ€hlige PĂ€rchen aus England und aus gesamt Europa in diesen damals kleinen Ort. SpĂ€ter (1856) forderte die schottische Regierung einen Aufenthalt von mindestens 21 Tagen im Land, bevor die Eheschließung vollzogen werden konnte. 1977 wurde diese Regelung aufgehoben und zwei Jahre spĂ€ter das Mindestalter von 12 auf 16 Jahre hochgesetzt. Eine EinverstĂ€ndnis der Erziehungsberechtigten ist allerdings immer noch nicht notwendig!

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Fazit:

Schottland ist ein wunderschönes und nahes Reiseziel. Eine Rundreise lohnt sich absolut und ist empfehlenswert. Ohne ein Auto gestaltet sich ein Aufenthalt ziemlich beschwerlich, entweder man fĂ€hrt mit seinem eigenen Pkw und reist per FĂ€hre an oder man greift auf einen Mietwagen zurĂŒck, eine große Auswahl ist geboten. Auch fĂŒr einen StĂ€dtetrip wĂŒrden wir Edinburgh empfehlen, gĂŒnstige FlĂŒge findet man immer wieder und diese Stadt ist einen Besuch wert. Schottlands Wildnis ist typisch europĂ€isch und eine Schönheit der Natur. Hier ist Entspannung gut möglich und es können viele Tage mit ausgiebigen Wanderungen verplant werden. Am Abend kehrt man in einem der vielen gemĂŒtlichen Pubs ein und lĂ€sst den Abend ausklingen. Hoteltechnisch empfanden wir die Insel allerdings als ServicewĂŒste, dieser wird hier nicht sehr groß geschrieben (anders als z.B: in Irland). Was jeder dabei haben sollte ist gute Regenkleidung, dass Wetter kann sich alle 20 Minuten Ă€ndern. Als Naturliebhaber können wir Schottland wirklich empfehlen.

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